Fanam
Der Fanam ist eine historische indische Münzeinheit, die in Südindien und auf Sri Lanka (dem ehemaligen Ceylon) verbreitet war. Erste Hinweise auf goldene Fanams finden sich bereits im 9. Jahrhundert in den tamilischen Königreichen, in Travancore sowie an der Malabarküste. Eine nachweisbare Verbreitung der Münze ist ab dem 14. Jahrhundert auf Ceylon belegt. Der Fanam fungierte dabei sowohl als kleinste Gold- als auch als größte Silbereinheit der damaligen Währungssysteme.
Der Begriff „Fanam“ leitet sich vermutlich vom Hindi-Wort „Panam“ ab, was sinngemäß „eine Handvoll“ bedeutet. Die Maßeinheit bezog sich auf ein Gewicht von rund 80 Rati-Samenkörnern, was etwa 9,5 Gramm entsprach – allerdings bezogen auf Kupfer. Der entsprechende Gegenwert in Gold fiel deutlich geringer aus. Tatsächlich handelte es sich bei den goldenen Fanams des 14. Jahrhunderts um äußerst kleine Münzen von nur etwa 0,3 bis 0,4 Gramm Gewicht und einem Durchmesser von bis zu 5 Millimetern.
Ihre Blütezeit erlebte die Fanam-Währung im 16. Jahrhundert, insbesondere im südindischen Königreich Vijayanagar. Dort entsprach ein Fanam dem zwanzigsten Teil einer Pagode. Sowohl in Gold als auch in Silber wurden Fanams in großer typologischer Vielfalt geprägt und im gesamten tamilischen Raum verbreitet.
Ab dem 17. Jahrhundert übernahmen auch europäische Kolonialmächte und Handelsgesellschaften die Prägung des Fanam. Die Briten prägten erste silberne Fanams in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, versehen mit der Darstellung der hinduistischen Gottheit Swami, dem Monogramm von König Charles II. (1660–1685) – einem doppelten „C“ – sowie Inschriften in südindischen Schriften. Auch andere Kolonialmächte beteiligten sich an der Prägung: In Tranquebar schlugen die Dänen den Fanam unter der Bezeichnung „Fano“, in Pondichéry gaben die Franzosen ähnliche Münzen mit dem Namen „Fanon“ aus.
Silberne Fanams blieben in bestimmten Regionen Südindiens, insbesondere in Travancore, bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in Umlauf. Dort endete ihre Prägung erst im Jahr 1946.