Beischlag
Als Beischlag bezeichnet man in der Numismatik die Nachprägung einer bereits verbreiteten und akzeptierten Münze im äußeren Erscheinungsbild durch einen anderen Münzherrn. Beischläge sind bereits seit der Antike bekannt, standen jedoch vor allem im Hochmittelalter bis weit in das 19. Jahrhundert hinein meist im Verdacht betrügerischer Absicht, da die nachgeahmten Münzen oftmals einen geringeren Feingehalt aufwiesen als ihre Originale. Dabei wurden die Vorbilder meist nicht vollständig identisch kopiert: Kleine bewusste Abweichungen im Münzbild sollten formell Distanz zum Original schaffen und den Vorwurf der direkten Fälschung abmildern.
Doch nicht jeder Beischlag war betrügerisch. Es gab durchaus Ausgaben, die in Schrot und Korn – also im Gewicht und im Edelmetallgehalt – korrekt nach dem Vorbild gemünzt wurden. In vielen Fällen jedoch verbarg sich hinter dem Beischlag eine gezielte Münzverschlechterung: Durch geringeren Feingehalt oder reduziertes Gewicht erzielten die ausgebenden Münzherren einen zusätzlichen Gewinn. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert kam es zu zahlreichen Beischlägen, etwa italienischer Münzstände, die deutsche, schweizerische, österreichische oder niederländische Münzen imitierten und dabei auf die weite Verbreitung dieser Sorten setzten.
Ein interessanter numismatischer Effekt zeigt sich darin, dass Beischläge mitunter das Erscheinungsbild ihrer Vorbilder beeinflussten. So übernahm beispielsweise der englische Sterling das charakteristische Zwillingsfadenkreuz eines schottischen Beischlags, wodurch dieses Motiv langfristig prägend für die Münzsorte wurde.
Der Beischlag steht damit zwischen legitimer Nachprägung, wirtschaftlicher Konkurrenz und bewusster Münzverschlechterung. Für Sammler und Historiker sind Beischläge heute aufschlussreiche Zeugnisse von Handelsbeziehungen, Münzpolitik und wirtschaftlichem Wettbewerb in Europa.