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Goldrausch vor 25 Jahren: Warum die „Goldmark“ bis heute Sammler und Anleger begeistert

Eigentlich passte bei dieser Münze kaum etwas zusammen. Auf ihr stand „1 DEUTSCHE MARK“, doch für eine Mark konnte man sie nicht bekommen. Sie sah fast genauso aus wie das vertraute Umlaufgeld, bestand aber aus zwölf Gramm Feingold. Herausgeber war nicht die Bundesrepublik Deutschland, sondern die Deutsche Bundesbank. Und obwohl eine Million Exemplare geprägt wurden, entwickelte sich schon vor dem Verkaufsstart eine regelrechte „fear of missing out“, also die Angst, etwas ganz Besonderes zu verpassen. Die Goldmark des Jahres 2001 war auf den ersten Blick voller Widersprüche. Doch gerade darin liegt ein wesentlicher Grund dafür, dass sie ein Vierteljahrhundert später noch immer zu den bekanntesten deutschen Sammlermünzen gehört.

Ihre Entstehung lässt sich nur vor dem Hintergrund des bevorstehenden Abschieds von der D-Mark verstehen. Anfang 2002 sollte das Euro-Bargeld eingeführt werden, nach mehr als fünf Jahrzehnten würde die Deutsche Mark aus dem Alltag verschwinden. Für diesen Einschnitt suchten Politik und Bundesbank nach einem besonderen Erinnerungsstück. Im Frühjahr 2000 nahm die Idee konkrete Formen an. Die Bundesregierung legte einen Gesetzentwurf vor, der die Ausgabe einer 1-DM-Goldmünze ermöglichen sollte. Eine gewöhnliche Gedenkmünze war das nicht: Weil die Deutsche Bundesbank als Herausgeberin auftreten sollte, musste dafür eigens eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden. Mit dem Projekt verbunden war außerdem die Errichtung einer Stiftung für geld- und währungspolitische Forschung, die zunächst „Stabiles Geld“ und später „Geld und Währung“ heißen sollte.

Bei der Gestaltung entschied man sich bewusst gegen Experimente. Wer die Münze betrachtete, sollte sofort an die D-Mark denken. Deshalb wurde das bekannte Einmarkstück nahezu unverändert übernommen: die große Wertziffer „1“ zwischen Eichenzweigen und die Aufschrift „DEUTSCHE MARK“ auf der einen Seite, der Bundesadler auf der anderen. Gerade diese Vertrautheit verlieh der Goldmark ihre emotionale Wirkung. Ein Gegenstand, den Millionen Menschen täglich benutzt hatten und der normalerweise aus Kupfernickel bestand, wurde plötzlich in nahezu reinem Gold ausgeführt. Lediglich die Umschrift auf der Adlerseite verriet, dass es sich um etwas grundsätzlich anderes handelte. Statt „BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND“ stand dort „DEUTSCHE BUNDESBANK“.

Die technischen Daten unterstrichen den besonderen Charakter. Die Goldmark bestand aus Feingold 999,9 und wog zwölf Gramm. Mit 23,5 Millimetern Durchmesser blieb sie dem bekannten Vorbild äußerlich eng verbunden, war aber deutlich schwerer als das gewöhnliche Markstück mit 5,5 Gramm. Statt einer Randschrift erhielt sie sechs vertiefte Arabeskengruppen. Geprägt wurde in Stempelglanz. Und noch ein Detail sollte für Sammler später wichtig werden: Alle fünf deutschen Münzstätten waren beteiligt. Berlin, München, Stuttgart, Karlsruhe und Hamburg fertigten jeweils 200.000 Exemplare mit den Münzzeichen A, D, F, G und J. Wer diese Ausgabe vollständig sammeln wollte, benötigte damit nicht eine, sondern fünf Goldmark-Münzen.

Genau hier begann allerdings das Problem. Eine Million Stück hört sich zunächst nach einer gewaltigen Auflage an. Im Verhältnis zur erwarteten Nachfrage erwies sich diese Zahl jedoch schon früh als knapp bemessen. Banken, Sparkassen und Münzhändler erhielten immer mehr Reservierungswünsche. Zeitweise war von mehreren Millionen Interessenten die Rede. Wer einen vollständigen Satz aller fünf Prägestätten haben wollte, verschärfte den Wettbewerb um die verfügbaren Stücke zusätzlich.

Die Erwartung steigender Preise wurde von höchster Stelle zusätzlich befeuert. Nachdem das Gesetz Ende Dezember 2000 veröffentlicht worden war, folgte wenige Wochen später die Erstprägung in Berlin. Bundesbankpräsident Ernst Welteke setzte persönlich die Prägemaschine in Gang. Fotografen und Kamerateams begleiteten das Ereignis. Welteke sagte einen Satz, der sich hervorragend für Schlagzeilen eignete: „Diese Münze wird eine Wertsteigerung erfahren.“ Er bezeichnete sie sogar als „gute Wertanlage“. Damit war eine Erwartung formuliert, die weit über den Kreis klassischer Münzsammler hinauswirkte. Wer bislang vielleicht nur ein Erinnerungsstück an die D-Mark erwerben wollte, bekam nun zusätzlich die Aussicht auf einen möglichen Gewinn präsentiert.

Als die Nachfrage immer offensichtlicher die Auflage überstieg, begann eine öffentliche Diskussion über zusätzliche Münzen. Besonders deutlich wurde sie im Frühjahr 2001. Die „Bild“-Zeitung titelte am 19. Mai „Ansturm auf die goldene D-Mark“ und verlangte eine Aufstockung. Auch aus der Politik wurden Forderungen nach mehreren Millionen zusätzlichen Exemplaren laut. Doch Finanzministerium und Bundesbank blieben bei der Million. Die Münzstätten waren ohnehin mit der Produktion der neuen Euro-Münzen ausgelastet, zudem hätte eine Änderung der Auflage eine Änderung des gesetzlichen Rahmens erfordert. Die Antwort aus Berlin lautete entsprechend knapp: „Das Gesetz wird nicht geändert.“ Damit war endgültig klar, dass nicht jeder Interessent eine Goldmark bekommen würde.

In den Wochen vor dem Verkaufsstart entstand daraus eine Eigendynamik. Münzhändler konnten selbst langjährigen Kunden nicht sicher zusagen, dass ihre Bestellungen erfüllt würden. Auch Banken und Sparkassen verfügten nur über begrenzte Kontingente. Gleichzeitig wurde immer häufiger darüber spekuliert, welchen Preis die Goldmark nach der Ausgabe erzielen könnte. Der ursprünglich vorgesehene Ausgabepreis von ungefähr 250 DM wirkte plötzlich weniger wie der endgültige Marktwert als vielmehr wie eine Eintrittskarte für diejenigen, die schnell genug waren. Am Tag vor dem Verkaufsstart titelte die „Bild“-Zeitung mit einem „Gold-Mark-Alarm!“, andere Medien meldeten: „Alle wollen die Goldmark.“ Aus einem numismatischen Sonderprojekt war ein Thema für die breite Öffentlichkeit geworden.

Am 26. Juli 2001 zeigte sich, wie groß die Begehrlichkeit tatsächlich war. Vor Landeszentralbanken bildeten sich schon am frühen Morgen Warteschlangen. In Stuttgart erschienen die ersten Interessenten gegen 5.30 Uhr. In Hamburg soll die Schlange zeitweise 60 bis 80 Meter lang gewesen sein. Auch Frankfurt und Berlin meldeten starken Andrang. Teilweise waren die vorhandenen Bestände bereits kurz nach Öffnung der Schalter vergriffen, in Frankfurt nach damaligen Berichten innerhalb von knapp einer Stunde. Wer keine Reservierung hatte und zu spät kam, musste hoffen, später auf dem freien Markt noch ein Exemplar zu finden.

Mit dem Abstand von 25 Jahren besitzt die Goldmark jedoch noch eine zweite historische Bedeutung. Sie war nicht nur das spektakuläre Abschiedsstück der alten Währung, sondern wurde zum Vorläufer eines dauerhaften deutschen Goldmünzenprogramms. Schon 2002 folgten beim Übergang zum Euro Goldmünzen zu 100 und 200 Euro. Ab 2003 erschien jährlich die 100-Euro-Serie „UNESCO-Welterbestätten in Deutschland“, später kamen weitere Nominale und Themenreihen hinzu. 2026 sind deutsche Goldmünzen zu 20, 50 und 100 Euro längst fester Bestandteil des Ausgabeprogramms. Die Goldmark steht deshalb an einer bemerkenswerten Schnittstelle: Sie verabschiedete eine Währung, die für mehrere Generationen zum deutschen Alltag gehört hatte, und eröffnete zugleich ein neues Kapitel der modernen deutschen Numismatik.

Erinnern Sie sich noch an den großen Ansturm auf die Goldmark im Jahr 2001 – und haben Sie damals selbst versucht, ein Exemplar zu bekommen? Berichten Sie uns gerne in den Kommentaren davon. Und falls Ihnen die Goldmark in Ihrer Sammlung noch fehlt: Bei uns können Sie noch Exemplare bestellen!

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