Allmählich kehrt in die deutsche Münzprägung eine neue Normalität ein – nach der Anpassung der Nennwerte auf 35 beziehungsweise 50 Euro und der Legierungen werden nun immer mehr Entwürfe für die künftigen Gedenkmünzen bekannt. Und eine Münze sticht besonders hervor: Im April 2027 wird eine 35-Euro-Sammlermünze „Internationale Gartenausstellung 2027“ (IGA 2027) erscheinen und eine Farbapplikation aufweisen.
Bei dem Gestaltungswettbewerb, dessen Ergebnis jetzt bekanntgegeben wurde, setzte sich erstmals die Italienerin Virginia Colonnella durch. Sie hat die Bildseite gestaltet, die Wertseite stammt aus der Feder von Michael Otto aus Hanau. Colonella ist eine italienische Medailleurin und Schmuckdesignerin, die in Pforzheim das Goldschmiedehandwerk erlernte und bei den Gestaltungswettbewerben für deutsche Gedenkmünzen wiederholt auf den vorderen Plätzen landete.
Sie erschuf für die Gartenausstellung eine aufwändige Gesamtkomposition aus Region, Mensch und Garten: Neben markanten Wahrzeichen, wie dem Kohlebunker im Nordsternpark in Gelsenkirchen, dem Löschturm der Kokerei Hansa in Dortmund, dem Wasserturm im Rheinpark in Duisburg und der Wolkenskulptur im Kokereipark in Dortmund, sind Elemente des Veranstaltungsortes der IGA 2027 in Duisburg zu sehen. Im unteren Bereich wurde eine Blumenwiese integriert, die im Tampondruck mit mehreren Farbaufträgen versehen wird. „Die Arbeit besticht durch ihren fein herausgearbeiteten Detailreichtum und ihre gekonnte Komposition von Region, Mensch und Garten“, heißt es in der Begründung der Jury.
Die Internationale Gartenausstellung 2027 im Ruhrgebiet ist eine Premiere in Deutschland und Europa, denn erstmals wird nicht eine einzelne Stadt, sondern eine gesamte Metropolregion zur Bühne einer Internationalen Gartenausstellung. Sie wird somit zu einer großräumigen Ausstellung für nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung. Die Gedenkmünze zu Ehren der Veranstaltung ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Zum einen setzt sie die Reihe der Motive aus dem Bereich „Flora und Fauna“ auf deutschen Münzen fort – man denke beispielsweise an die Goldserie „Deutscher Wald“ mit Motiven wie Eiche oder Buche.
Außerdem steht nun fest, dass sich die Bundesrepublik Deutschland auch künftig Silbermünzen mit Farbapplikationen leistet:
- 2019 - 100 Jahre Weimarer Reichsverfassung: Die schwarz-rot-goldene Flagge der Weimarer Republik in einem runden Kreis wurde farbig hervorgehoben.
- 2020 - 300. Geburtstag Freiherr von Münchhausen: Die Uniform in der berühmten Kanonenkugel-Szene wurde in Blau und Rot teilkoloriert.
- 2021 - 50 Jahre „Die Sendung mit der Maus“: Die Maus wurde in Braun (Arme) und Orange (Rest des Körpers) koloriert.
- 2022 - 50 Jahre Deutsches Kinderhilfswerk: Die Figuren und Spendendosen des Kinderhilfswerks erschienen in den typischen Blau- und Rottönen des Logos.
- 2023 - 100. Geburtstag Loriot: Die Rose des berühmten Rosenkavaliers wurde in Rot und Grün eingefärbt.
- 2024 - 125. Geburtstag Erich Kästner: Teile der Illustration und typografische Gestaltung wurden in gleich vier Farben (Rot, Gelb, Grün, Blau) hervorgehoben.
- 2025 - 75. Berlinale: Der Bär im Berlinale-Logo erscheint in Rot.
In diesem Jahr wird die beliebte Farbmünzen-Serie erstmals mit dem neuen 35-Euro-Nominal mit dem Motiv „125 Jahre Wuppertaler Schwebebahn“ fortgesetzt, hierbei wird die Schwebebahn in hellblau eingefärbt. Die bisherigen Silbermünzen dokumentieren eindrucksvoll, was mit dem Tampondruck möglich ist – und was nicht: Das Verfahren erlaubt sehr präzise Farbaufträge bei hoher Produktionsgeschwindigkeit. Klassische Tampondruck-Systeme können allerdings nur wenige Einzelfarben und keine komplexen Farbverläufe ermöglichen – dadurch erhalten die Münzen jedoch eine klare Farbsprache, die viele Sammler schätzen. Parallel experimentieren deutsche Münzstätten inzwischen jedoch zusätzlich mit modernen Digitaldruckverfahren für fotorealistischere Effekte.
Beim Tampondruck wird das Farbmotiv als vertiefte Druckform (das sogenannte Klischee) erstellt. Ein elastischer Tampon aus Silikonkautschuk nimmt die Farbe aus diesen Vertiefungen auf und überträgt sie anschließend präzise auf die geprägte Münzoberfläche. Das Besondere am Tampondruck ist die hohe Elastizität des Silikontampons: Er kann sich selbst stark reliefierten, gewölbten und unebenen Oberflächen exakt anpassen, ohne dass das Druckbild verzerrt wird. Dadurch lassen sich auch feine Details auf dreidimensional geprägten Münzmotiven sauber kolorieren – etwa die orangefarbene Maus auf der 20-Euro-Münze „Die Sendung mit der Maus“ oder die kolorierten Kleidungselemente auf der Münchhausen-Münze.
Was halten Sie von den deutschen Farbmünzen – sind Farbapplikationen eine spannende Bereicherung moderner Sammlermünzen oder bevorzugen Sie klassische Silberprägungen ohne Farbe? Teilen Sie Ihre Meinung gerne in den Kommentaren mit uns!