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Von der Substanz leben ist keine Zukunftsstrategie

Es gibt eine einfache Regel, die jeder Unternehmer kennt: Wer dauerhaft mehr verbraucht, als er erwirtschaftet, bekommt irgendwann ein Problem. Man kann eine Weile von seinen Rücklagen leben, Kredite aufnehmen oder notwendige Investitionen verschieben. Von außen sieht dann vielleicht noch alles ganz ordentlich aus. Aber die Substanz wird weniger. Und irgendwann kommt der Tag, an dem sich nicht mehr verbergen lässt, dass man zu lange von der Vergangenheit gelebt hat.

Was für ein Unternehmen gilt, gilt im übertragenen Sinne auch für ganze Volkswirtschaften. Doch egal wohin man schaut, auf die deutsche Industrie, die amerikanische Wirtschaftspolitik, die europäischen Staatsfinanzen oder die Stabilität der Finanzmärkte, immer wieder taucht eine Frage auf: Wie lange können wir uns noch auf wirtschaftliche Stärke verlassen, die frühere Generationen aufgebaut haben?

Deutschlands Wohlstand hat einen Motor

Beginnen wir vor der eigenen Haustür. Die deutsche Metall- und Elektroindustrie gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Grundlagen unseres Wohlstands. Doch die Stärke dieses Wirtschaftszweigs ist keineswegs selbstverständlich. In seinem Beitrag „Die verdrängte Wahrheit einer Schlüsselindustrie“ beschreibt der Wirtschaftswissenschaftler Stefan Sell, wie stark die Branche inzwischen unter Druck steht. Hohe Kosten, schwache Investitionen und zunehmender internationaler Wettbewerb treffen auf einen tiefgreifenden technologischen Wandel. Besonders die Automobilindustrie und ihre Zulieferer müssen sich neu aufstellen.

Das ist mehr als ein Problem einzelner Unternehmen. Wenn eine Fabrik weniger produziert, betrifft das auch ihre Zulieferer, Handwerksbetriebe, Händler und Dienstleister. Wenn Investitionen ausbleiben, fehlen später moderne Anlagen und neue Arbeitsplätze. Und wenn gut bezahlte Industriearbeit verschwindet, spüren das irgendwann auch die öffentlichen Haushalte. Man kann darüber streiten, welche politischen Maßnahmen am besten gegen diesen Trend helfen. Über eines sollte aber Einigkeit bestehen: Wohlstand lässt sich nicht durch Beschlüsse erhalten, wenn die Unternehmen, die ihn erwirtschaften sollen, nicht mehr wettbewerbsfähig sind.

Auch Amerika lebt gefährlich

Wer jetzt glaubt, das sei ein ausschließlich deutsches Problem, sollte einen Blick über den Atlantik werfen. In einem aktuellen Handelsblatt-Beitrag geht es um die Risiken der amerikanischen Wirtschaftspolitik. Die USA verfügen über beeindruckende Stärken: innovative Unternehmen, führende Technologiezentren, einen großen Binnenmarkt und den Dollar als wichtigste internationale Reservewährung.

Doch wirtschaftliche Größe schützt nicht vor politischen Fehlentscheidungen. Handelskonflikte, Unsicherheit über künftige Regeln und der Versuch, wirtschaftliche Probleme mit immer neuen Eingriffen zu lösen, können auch eine starke Volkswirtschaft beschädigen.

Dabei haben die USA einen Vorteil, um den sie viele Länder beneiden: Ihre Staatsanleihen gelten weltweit als wichtige Anlageform, und der Dollar wird im internationalen Handel und Finanzsystem ständig benötigt. Das verschafft Washington erhebliche Spielräume. Aber auch ein großer Spielraum ist nicht unbegrenzt. Das führt zu einer Entwicklung, die Anleger besonders aufmerksam verfolgen sollten: den wachsenden Schuldenbergen der Industriestaaten.

Wenn die Schulden wachsen, wächst auch das Risiko

In der Fachpresse gerät ein weiteres Reizthema zunehmend in den Fokus: Die Gefahr einer neuen Staatsanleihen-Krise. Lange Zeit konnten sich Regierungen darauf verlassen, dass Kredite ausgesprochen günstig waren. Neue Schulden aufzunehmen, tat kaum weh. Die Zinsen waren niedrig, die Nachfrage nach Staatsanleihen hoch. Warum also sparen, wenn sich die nächste Ausgabe bequem finanzieren ließ?

Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Inflation hat die Notenbanken zu einer strafferen Geldpolitik gezwungen. Anleger verlangen höhere Renditen, wenn sie einem Staat über viele Jahre Geld leihen. Was für den Käufer einer Anleihe zunächst erfreulich klingt, wird für den Staat zum Problem: Jeder zusätzliche Euro, der für Zinsen ausgegeben werden muss, fehlt an anderer Stelle – etwa bei Schulen, Straßen oder Investitionen.

Besonders unangenehm ist dabei ein Mechanismus, den man aus der Unternehmenswelt kennt. Wenn die Gläubiger Zweifel an der finanziellen Stabilität eines Schuldners bekommen, verlangen sie höhere Zinsen. Dadurch wird dessen finanzielle Lage noch schwieriger. Im schlimmsten Fall entsteht ein Kreislauf, aus dem man nur unter großen Schmerzen wieder herauskommt.

Auch Europa ist dagegen nicht immun. Ein aktueller Handelsblatt-Beitrag über die düsteren Erinnerungen an die Euro-Krise zeigt, wie empfindlich Investoren auf Zweifel an der Finanzstabilität reagieren können. Die Unterschiede zwischen den europäischen Volkswirtschaften sind weiterhin groß. Und die gemeinsame Währung macht es nicht einfacher, wenn einzelne Staaten finanziell unter Druck geraten. Dabei muss man nicht gleich eine neue Euro-Krise ausrufen. Aber die grundlegende Erkenntnis bleibt: Schulden verschwinden nicht dadurch, dass man sich an sie gewöhnt.

Gold braucht kein Versprechen

Was bedeutet all das für Sie als Anleger? Zunächst einmal, dass man zwischen wirtschaftlicher Stärke und finanzieller Sicherheit unterscheiden sollte. Ein Land kann über hervorragende Unternehmen verfügen und gleichzeitig seine öffentlichen Finanzen überfordern. Eine Währung kann international gefragt sein und dennoch an Kaufkraft verlieren. Und selbst Staatsanleihen, die lange als besonders sicher galten, können erhebliche Kursschwankungen erleben, wenn die Zinsen steigen.

Damit sind wir beim Gold. Das Edelmetall hat eine Eigenschaft, die in einer Welt wachsender Staatsschulden besonders interessant ist: Sein Wert hängt nicht davon ab, dass ein Staat seine Anleihen zurückzahlt oder eine Zentralbank ihr Inflationsziel erreicht. Wer eine Staatsanleihe kauft, vertraut darauf, dass der Schuldner seine Verpflichtungen erfüllt. Wer Gold besitzt, hält dagegen einen materiellen Vermögenswert, der keinen solchen Zahlungsanspruch benötigt.

Wer Wohlstand schaffen will, muss investieren, arbeiten, neue Produkte entwickeln und wirtschaftliche Chancen nutzen. Wer bereits Wohlstand geschaffen hat, sollte zugleich darüber nachdenken, wie er ihn bewahren kann. Denn auch beim privaten Vermögen gilt, was wir zu Beginn über Unternehmen und Staaten festgestellt haben: Von der Substanz zu leben, kann eine Zeit lang gutgehen. Auf Dauer braucht es jedoch eine tragfähige Strategie – und Gold ist heutzutage ein unverzichtbarer Baustein dieser Strategie.

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