Quadriga
Die Quadriga (lateinisch für „Viergespann“) bezeichnet einen zweirädrigen Streit- oder Prunkwagen der Antike, der von vier nebeneinander laufenden Zugtieren – meist Pferden – gezogen wird. Sie ist damit vom sogenannten Vierspänner zu unterscheiden, bei dem die Tiere paarweise hintereinander eingespannt sind.
Bereits in der Mythologie spielt die Quadriga eine bedeutende Rolle. So gilt sie als Gefährt des Sonnengottes Helios, der täglich mit seinem Wagen über den Himmel fährt, und erscheint auch in den Epen Homers als Kampfwagen heroischer Gestalten. Auch außerhalb der griechischen Welt ist sie belegt, etwa im babylonischen Schöpfungsmythos Enûma elîsch, in dem der Gott Marduk eine Quadriga lenkt. In historischer Zeit wurde die Quadriga insbesondere bei Wagenrennen und Festspielen eingesetzt – etwa seit 680 v. Chr. bei den Olympischen Spielen – sowie in Triumphzügen im antiken Rom.
In der Kunst entwickelte sich die Quadriga früh zu einem Sinnbild für Macht, Sieg und göttliche oder staatliche Autorität. Ein bekanntes Beispiel ist die Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin, geschaffen von Johann Gottfried Schadow, die bis heute als Symbol für Triumph und Frieden gilt.
Auch in der Numismatik zählt die Quadriga zu den klassischen und häufig dargestellten Motiven. Bereits auf antiken Münzen erscheint sie in vielfältigen Variationen. Besonders kunstvolle Darstellungen finden sich auf griechischen Prägungen aus dem sizilischen Syrakus im 5. Jahrhundert v. Chr., etwa auf dem sogenannten Demareteion oder auf Münzen der berühmten Stempelschneider Euainetos und Kimon. Typisch ist die Darstellung eines Wagenlenkers – häufig eine Gottheit, ein Held oder später auf römischen Münzen auch ein Feldherr – sowie eine oder mehrere über dem Gespann schwebende Siegesgöttinnen (Nike).
Neben den klassischen Pferdequadrigen sind auch ungewöhnliche Varianten bekannt. So zeigen seleukidische Münzen des frühen 3. Jahrhunderts v. Chr. Quadrigen, die von Elefanten gezogen werden und von der Göttin Athena gelenkt werden.
Die Bedeutung dieses Motivs spiegelt sich auch in der Münzbezeichnung Quadrigatus wider, die sich von der Darstellung der Quadriga auf der Rückseite früher römischer Silbermünzen ableitet.
Die Quadriga ist somit nicht nur ein zentrales Symbol der antiken Bildwelt, sondern auch ein bedeutendes Motiv der Münzgeschichte, das bis heute für Dynamik, Triumph und Herrschaft steht.