Niederlande, Silber-Med. 1650, a.d. Tod v. Wilhelm II. & d. erfolgslosen Angriff auf Amsterdam
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Ein dramatisches Kapitel niederländischer Geschichte – Silbermedaille auf den Tod von Wilhelm II. und den erfolglosen Angriff auf Amsterdam 1650
Machtstreben, ein gescheiterter Angriff und der überraschende Tod eines jungen Statthalters: Kaum eine historische Medaille erzählt die politischen Spannungen der Niederlande im 17. Jahrhundert so eindrucksvoll wie diese monumentale Silbermedaille von 1650. Geschaffen vom bedeutenden Medailleur Sebastian Dadler, erinnert sie an den erfolglosen Angriff Wilhelms II. von Oranien auf Amsterdam und seinen nur wenige Monate später folgenden Tod.
Die Medaille wurde aus Silber mit einem beeindruckenden Durchmesser von rund 69 mm geprägt und ist heute überaus selten. In der hervorragenden Erhaltung „Vorzüglich / Stempelglanz“ (vz/st) begeistert sie mit eindrucksvoll erhaltenen Details. Geliefert wird das mehr als 375 Jahre alte Original in einer Luxus-Kassette inklusive Echtheitszertifikat.
Auf der Vorderseite springt ein Pferd nach links über die Ansicht von Amsterdam. Unter seiner Satteldecke verbergen sich bewaffnete Männer – eine allegorische Anspielung auf den geplanten Überraschungsangriff Wilhelms II. auf die Stadt. Im Hintergrund sind Amsterdam und die Befestigungen an der Amstel zu erkennen, während oberhalb des Motivs zwei Löwen das gekrönte Stadtwappen halten. Die lateinische Umschrift „CRIMINE AB UNO DISCE OMNES“ entstammt Vergils Aeneis und lässt sich sinngemäß mit „An dieser einen Tat erkenne sie alle“ wiedergeben; hinzu kommt das Datum 30. Juli 1650. Auf der Pferdedecke stehen zudem die Begriffe „UNIO“ und „RELIGIO“, während darunter „SIMULANT“ auf die aus Sicht der Auftraggeber vorgetäuschten Motive des Angriffs anspielt.
Noch dramatischer fällt die Rückseite aus: Über einer Ansicht von Den Haag stürzt Phaëthon aus dem Sonnenwagen, nachdem Zeus ihn mit einem Blitz getroffen hat. Unterhalb dieser mythologischen Szene zieht der Leichenzug Wilhelms II. aus der Stadt. Die Botschaft ist unmissverständlich: Wie Phaëthon scheiterte der junge Statthalter an seinem übermäßigen Ehrgeiz. Passend dazu lautet die Umschrift „MAGNIS EXCIDIT AUSIS“ – sinngemäß: „Er stürzte bei großen Unternehmungen“. Ergänzt wird sie durch den 6. November 1650, den Todestag Wilhelms II. Der Entwurf dieser außergewöhnlichen Medaille stammt von Sebastian Dadler, einem der bedeutendsten deutschen Medailleure des Barock.
Der politische Hintergrund dieser Medaille führt unmittelbar in die Machtkämpfe der jungen Niederländischen Republik. Der Westfälische Frieden von 1648 hatte den Achtzigjährigen Krieg mit Spanien beendet und die Unabhängigkeit der Niederlande international bestätigt. Für Wilhelm II., der 1647 seinem Vater Friedrich Heinrich als Statthalter nachgefolgt war, bedeutete das Friedensende jedoch zugleich den Verlust der Möglichkeit, sich als militärischer Führer zu profilieren. Sein Wunsch nach einer Fortsetzung des Krieges brachte ihn zunehmend in Gegensatz zur einflussreichen Provinz Holland und besonders zur mächtigen Handelsstadt Amsterdam. Zeitgenössische und numismatische Quellen stellen diesen Konflikt ausdrücklich in den Zusammenhang mit seinem Widerstand gegen den Frieden.
Im Sommer 1650 eskalierte der Streit. Wilhelm II. ließ mehrere führende holländische Regenten verhaften und auf Schloss Loevestein festsetzen. Gleichzeitig sollte Amsterdam militärisch unter Druck gesetzt werden. In der Nacht zum 30. Juli 1650 rückten Truppen gegen die Stadt vor, doch das Unternehmen scheiterte. Amsterdam konnte rechtzeitig Verteidigungsmaßnahmen treffen; wenige Tage später wurde die militärische Aktion endgültig aufgegeben. Genau dieses Ereignis greift die Vorderseite der Medaille mit dem scheinbar harmlosen Pferd auf, unter dessen Decke sich Soldaten verbergen.
Nur wenige Monate später nahm die Geschichte eine unerwartete Wendung. Wilhelm II. erkrankte an den Pocken und starb am 6. November 1650 im Alter von nur 24 Jahren. Sein Sohn, der spätere englische König Wilhelm III., kam erst acht Tage nach seinem Tod zur Welt. Mit dem Tod des Statthalters begann in mehreren Provinzen die sogenannte Erste Statthalterlose Zeit, während die politische Macht der städtischen Regenten zunahm. Die Rückseite der Medaille macht aus diesem jähen Ende eine eindringliche moralische Allegorie: Phaëthons Sturz aus dem Sonnenwagen wird zum Sinnbild für den Fall eines jungen Herrschers, dessen weitreichende Ambitionen letztlich scheiterten. Dass darunter zugleich Wilhelms Leichenzug bei Den Haag erscheint, verbindet Mythologie und Zeitgeschichte auf außergewöhnlich wirkungsvolle Weise.
Historische Medaillen dieser Qualität sind weit mehr als Erinnerungsstücke: Sie waren politische Bildmedien ihrer Zeit und transportierten Botschaften, Urteile und zeitgenössische Sichtweisen in kunstvoll verschlüsselter Form. Bei diesem seltenen Silberstück von 1650 treffen niederländische Geschichte, barocke Medaillenkunst und eine außergewöhnlich drastische politische Symbolik aufeinander.
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| Ausgabejahr: | 1650 |
| Ausgabeland: | Königreich Niederlande |
| Avers: | Holländisches Pferd vor Amsterdam, nach links laufend |
| Revers: | Begräbniszug entlang der Vijverberg in Den Haag; Phaëthon stürzt aus den Wolken |
| Durchmesser (mm): | 69.0 |
| Erhaltung: | (vz/st) Vorzüglich Stempelglanz |
| Feinheit: | Keine Angabe |
| Material: | Silber |
| Raugewicht (g): | 91,1 |
| Veredelung: | ohne Veredelung |
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